Körperhaare -- Jeder ihr Privatgrundstück

Nicola schreibt über Körperhaare und der Artikel spricht einiges an, über das ich mir auch schon Gedanken gemacht habe. Das hier der Feminismus manchmal übers Ziel hinausschiesst, ist mir auch schon aufgefallen. Ich glaube übrigens nicht (mehr), dass sich am Körperhaar einer Frau ablesen lässt, wie (be)frei(t) diese ist. Das deckt sich nicht mit meiner Wahrnehmung.

Haare oben
Dass das Kopfhaar der Frau, in der gesellschaftlichen Sicht, jedoch eine ganz besondere Rolle einnimmt .. Das stimmt schon! Lange dichte Haare = richtige Frau. Vielleicht ist das sogar noch im Erbgut verankert!? Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall ist das noch irgendwie drin.

"Geschoren wie ein Schaf!" -- diese Bemerkung hörte eine Freundin von mir, als zwei (ihr unbekannte) Männer laut genug miteinander sprachen, als sie vorbeilief. Das ist schon frech. Ich finde meiner Freundin steht diese Frisur ausgezeichnet. Selber musste ich meine eigene Frisur (vor einer anderen Frau!) auch schon verteidigen, ich war frisch vom Friseur. Diese Einmischung habe ich als verletzend und grenzüberschreitend empfunden. Seither sage ich ganz einfach "Dies ist mein Privatgrundstück!" Daran gibt es nichts zu rütteln. Punkt.

Ich habe einen so dichten wärmenden Biberpelz auf dem Kopf, dass ich seit 12 Jahren nur noch Kurzhaar trage. Seit ich entdeckt habe, wie angenehm das ist. Vorher war ich ein Langhaar-Hippie ..

Seit ich mein Haupthaar sehr kurz und stellenweise geschoren trage, werde ich auch kaum mehr auf der Strasse von Männern angesprochen. Das ist auffällig. Vorher kam das regelmässig vor. Sobald ich die Haare offen trug, und nicht zusammengebunden, wurde ich angesprochen. Meist waren es afrikanische oder orientalische Männer. Das war teilweise recht penetrant! Das brauche ich auch nicht.

Sogar mein Freund (*1948, Italiener) meint "Les cheveux, c'est la femme!" Was für ein selten blöder Spruch! Die Haare machen die Frau aus! Was haben wir schon darüber diskutiert -- und wir diskutieren immer wieder. Aber ich sag dann nur lapidar, dass er ruhig auch ein paar Haare mehr auf dem Kopf haben könnte, da seien ja nicht mehr besonders viele .. und dann erwähne ich, dass mein Kopf eben ein Privatgrundstück seit. Wir können beide drüber lachen. Mir ist es lieber, dass ich weiss, dass er halt ein Klassiker ist und ich mein Statement dazu abgeben kann, als dass er es mir verschweigt. Trotzdem staune ich immer wieder darüber, wie wichtig scheinbar so ein paar Haupthaare sein können.

Haare unten
Die Schamhaare hatten usprünglich den Sinn eines "Zerstäubers", der unseren persönlichen Duft besser verteilt. Das sind wir inzwischen drüber weg und parfümieren und deodorisieren uns lieber, überall wo's Schamhaar hat, statt einfach nach "uns" zu riechen. Wobei ich glaube, dass der heutige Mensch auch mehr stinkt als der Urmensch, weil sich die Ernährung weg von "natürlich" bewegt hat.

Der Busch zwischen den Beinen ist ein anderer Kontinent und ein anderer "Spielplatz". Ist ja meist auch weniger öffentlich! Ich persönliche kenne keine Frau meines Jahrgangs, die "Natur" trägt, also von denen die ich is jetzt nackt gesehen habe. Selber trage ich auch kurz bis blank. Ich empfinde es so als angenehmer, da ich fast nur Hosen trage und nach einem Tag auf dem Bürostuhl mich sehr verschwitzt untenrum fühle. Für mich ist hier das "Tragegefühl" wichtig. Jedoch mache ich kein Politikum daraus. Jede/r wie er/sies mag.

Von einem Bekannten habe ich vor Jahren gehört, dass er von einer Welt träume, in der es nur rasierte Frauen gibt. Aber das scheint mir inzwischen mehr in Richtung persönliche sexuelle Phantasie/Vorliebe/Fetisch zu gehen ..  Ich nehme solche Aussagen nicht mehr so ernst. Ich hab mich dann damit amüsiert, mir Frauen vorzustellen, die am GANZEN körper rasiert sind, das ist aber ganz sicher nicht das, was Mann sich dabei gedacht hat ;)

Eine Berufsschulkollegin hats nur so geschüttelt, als sie über ihre Begegnung mit einem weiblichen Naturbusch (in der Sauna) gesprochen hatte: "Die hatte soooo einen Riiiiiesenbusch, das war soooo eklig!" Hm, mir ist das nicht mehr viel dazu eingefallen. Ich war eher schockiert, wie wichtig das scheinbar sein kann und dass frau da echten Ekel empfinden kann. Das kenne ich von mir nicht. Mir ist auch unwichtig, wie meine Sexualpartner sich "frisieren", Hauptsache sie sind ansonsten gepflegt und lassen die Körperpflege nicht schleifen.

In meinem Post "Mein Körper -- dein Körper" hab ich ich über die Sicht auf weibliche Körper geschrieben, aber eigentlich geht es viel weiter. Es geht um jeden Körper. Egal welchen Geschlechts. Für mich läuft es auf die Quintessenz hinaus, dass wir den Körper anderer nicht zu bewerten haben und nicht darüber zu Gericht sitzen. Auch wenn das ein sehr beliebter Zeitvertreib ist heutzutage. Die krassesten Urteile über andere (weibliche) Körper habe ich übrigens bis jetzt von Frauen gehört.

Also gehts eigentlich ganz einfach darum, die anderen sie selbst sein zu lassen und die eigenen Vorlieben herauszufinden. Ganz ohne "Moden" gehts wahrscheinlich nicht. Mehr Akzeptanz und Toleranz hingegen -- das wäre wünschenswert.




Kommentare

  1. Danke für die Erwähnung, du Gute! : ) Du wirfst sehr interessante Punkte auf, an die ich vorher gar nicht so richtig gedacht habe - das Haar auf dem Kopf war mir in meinen Überlegungen total entgangen, dabei ist es natürlich haufenweise "Weiblichkeitsregeln" unterworfen und der Verlust des Haupthaares für Frauen mitunter so traumatisch wie der Verlust einer Brust. Vielen Dank für deine Betrachtungen.
    Liebe Grüße
    Nicola

    AntwortenLöschen
  2. Ich weiß nicht, welcher Jahrgang du bist, aber ich trage mit 42 "untenrum Natur". Mir ist erst vor weniger als 10 Jahren bewusst geworden, dass sich fast jede Ottonormalverbraucherin im Genitalöbereich rasiert. Ist mir egal, mir gefallt es natürlich besser und ich hätte gerne einen riiiiiiesengroßen Busch :-D

    AntwortenLöschen
  3. Ich bin überzeugt, liebe Anne, daß die wenigsten Frauen sich überhaupt Gedanken darüber machen, wie sie ihre Haare -wo auch immer- wirklich gerne tragen würden... Die Meisten laufen einfach nur stumpf irgendwelchen Modetrends hinterher, die ihnen von der Werbung, sprich der Wirtschaft vorgegeben werden. Rasierklingen, Epilierer oder Wachsstreifen würden sich eben nicht mehr gut verkaufen, wenn Körper- und Intimbehaarung wieder modern wären... Eine Frau mit einem üppigen Naturbusch ist inzwischen ein seltener Anblick geworden, den ich aber allemal stimmiger finde, als eine nackte "Kleinmädchenpflaume" bei einer Frau mit einem Konfektionsgröße 44-46. Auch die Kopfbehaarung unterliegt dem Modediktat der Wirtschaft. Da für eine unkomplizierte Kurzhaarfrisur wesentlich weniger Pflege- und Stylingprodukte benötigt werden, werden uns Verbrauchern natürlich an jeder Ecke Frauen mit langen, seidigen und voluminösen Wallemähnen gezeigt... Frauen sollten vielleicht endlich einmal den Mut aufbringen, sich selber ganz ehrlich und objektiv zu betrachten und dann zu entscheiden, was ihnen gefällt und womit sie sich wohl fühlen.
    Liebe Grüße von Felina, die sich in ihrem Bloghäuschen mir dem Thema auch schon mal auseinandergesetzt hatte.
    http://felinascrossroads.blogspot.de/2013/10/ein-haariges-thema-oder-wenn-diese.html?zx=a7d3bb34fcaac149

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ich bin bin nicht mehr die, für die du mich hältst

Zusammen gestrandet ...

Schönsein vs. Einzigartig-Sein (Aussehen)